
Die Synagoge an der Friedberger Anlage virtuell wiederentdecken: Ein Fernrohr-Projekt der Initiative 9. November lässt Frankfurts jüdisches Erbe wieder auferste
Was wäre, wenn ihr einfach durch ein Fernrohr schauen könntet – und plötzlich ein Stück Frankfurt seht, das seit Jahrzehnten verloren ist? Genau das macht ein neues Projekt möglich, das gerade in Frankfurt für Aufsehen sorgt. Die Initiative 9. November bringt die Synagoge an der Friedberger Anlage zurück – zumindest virtuell. Und das ist viel mehr als nur ein technisches Spielzeug. Das ist gelebte Erinnerungskultur mitten in unserer Stadt.
Dort, wo heute ein grauer Hochbunker steht, befand sich einst eines der bedeutendsten jüdischen Gotteshäuser Frankfurts: die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, feierlich eingeweiht am 29. August 1907. Ein prächtiges Bauwerk – bis die Nazis und ihre willigen Helfer in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch dieses Haus Gottes niederbrannten.
Die Initiative 9. November hält die Erinnerung an diese Nacht der Zerstörung und das jüdische Erbe Frankfurts lebendig. Jetzt hat sie einen faszinierenden Weg gefunden, die Synagoge buchstäblich wieder sichtbar zu machen: Ein speziell gestaltetes Fernrohr soll am historischen Ort aufgestellt werden. Wer hindurchschaut, sieht eine stereoskopische, digitale Rekonstruktion der Synagoge – so, als würde sie noch stehen. Die technische Umsetzung dieser beeindruckenden 3D-Rekonstruktion stammt von der TU Darmstadt, Fachgebiet Digitales Gestalten.
Frankfurt ist eine Weltstadt mit tiefen Wurzeln – und zu diesen Wurzeln gehört unweigerlich auch das jüdische Leben, das diese Stadt über Jahrhunderte mitgeprägt hat. Projekte wie dieses machen Geschichte greifbar, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne schwere Schullektüre. Einfach hinschauen – und verstehen. Das ist Erinnerungskultur, wie sie heute sein muss: zugänglich, emotional, mitten im Alltag der Stadt.
Die Initiative 9. November setzt sich seit Jahren dafür ein, dass das Gedenken an die Reichspogromnacht nicht in Vergessenheit gerät. Mit Rundbriefen, Videos auf ihrem YouTube-Kanal und nun mit diesem Fernrohr-Projekt zeigt sie, wie kreativ und modern Erinnerungsarbeit sein kann. Das ist Frankfurt at its best – eine Stadt, die ihre Geschichte nicht verdrängt, sondern ihr mutig ins Gesicht schaut.
Damit das Fernrohr wirklich Realität wird, ist die Initiative auf Spenden angewiesen. Das Projekt steckt noch in der Finanzierungsphase – und genau hier könnt ihr einen Unterschied machen. Jeder Beitrag zählt, egal wie groß oder klein. Wer die Synagoge an der Friedberger Anlage wieder auferstehen lassen möchte – zumindest im Blickfeld eines Fernrohrs – kann die Initiative aktiv unterstützen.
Manchmal braucht es nur ein einfaches Gerät – ein Fernrohr –, um die Augen für das zu öffnen, was war und was nicht vergessen werden darf. Die Synagoge an der Friedberger Anlage wird durch dieses Projekt wieder Teil des Frankfurter Stadtbildes, zumindest für einen kurzen, bewegenden Moment. Das ist der Sound dieser Stadt: offen, ehrlich, mit Herz. Schaut rein, spendet, teilt dieses Projekt – Frankfurt dankt es euch!






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